Zu Lande, zu Wasser und in der Luft…

‚Luxembourg liegt aber doch in der anderen Richtung??‘ Stimmt… doch dieses Mal sollte die Abholung des neuen alten Autos etwas anders verlaufen. Da die alte Lady in den vergangenen Jahren mehr gepflegt denn bewegt worden war, erschien uns eine Heimfahrt auf eigener Achse von Wales auf den Kontinent ein wenig riskant. Aber mit der Spedition abholen? Relativ teuer und langweilig. So reifte der Plan für eine etwas ungewöhnlichere Heimreise …

Wieder mal mit dem Flieger nach London City. Wobei im mitgeführten Koffer vom Format Norwegens nur ein winziges Eckchen für die Zahnbürste blieb – liederlich eingequetscht zwischen Werkzeugtasche und anderem Autozubehör. Atemlos von den zahlreichen Treppen der Londoner U-Bahn sank ich schon bald in die Polster des Virgin Trains nach Birmingham. ‚Hello gorgeous!’…welch eine Begrüßung! Mit einem Lächeln denke ich an das heimische ‚Senk ju for trävelling Deutsche Bahn‘. Weiter mit dem kleinen Dieseltriebwagen nach Wales – und schon, nach einer gefühlten Weltreise, stand ich wieder vor der kleinen Primel in Edmunds hölzerner Traumgarage.

Der Papierkram war rasch erledigt und ehe ich mich versah, saß ich hinter dem riesigen Steuer und versuchte, mich an das Wilson-Vorwahlgetriebe zu gewöhnen. Offenbar leidlich erfolgreich, so dass ich mich nach wenigen Meilen von Edmund, der fürsorglich als Geleitschutz vorausgefahren war, verabschieden konnte. ‚All by myself‘ now… Die Straßen in Richtung Ärmelkanal verschmähend, folgte ich der Sphinx auf dem Kühler nach Norden, wo ich vor Sonnenuntergang den Fährhafen von Birkenhead/Liverpool, erreichte. Hinter einem modernen Maserati (‚he has 400hp, you better stay behind him‘) ging es an Bord der ‚Stena Lagan‘ nach Belfast. Ein rascher Blick vom Schiff auf das prächtig erleuchtete Liverpool – und bald schon hatte mich die kuschlige Koje fest im Griff.

Kurz nach 6 Uhr früh erreichten wir Belfast und betraten zum ersten Mal nordirischen Boden. Allerdings nur sehr kurz, denn zeitgleich war die ‚Stena Superfast VIII‘ angekommen, die uns in nur 2 1/4 Stunden nach Cairnryan in Schottland bringen sollte. 300 Meilen langweiliger Autobahn gegen eine gemütliche, sonnige Minikreuzfahrt getauscht… die alte Lady schien die Reise in ihre alte Heimat Ayrshire ebenfalls zu genießen und schnurrte fröhlich die Küstenstraße in Richtung Glasgow entlang.

Zu meiner großen Freude trafen wir unseren schottischen Riley-Freund Gordon, der uns schon bei unserer Riley-Tour vor zwei Jahren die schönsten Strecken abseits der Hauptstraßen gezeigt hatte. Und auch dieses Mal hatte Gordon einige Überraschungen auf Lager. . Winzige, kurvige Sträßchen ließen einen vergessen, dass man nur eine gute halbe Stunde südlich der Metropole Glasgow war. Und einen kostenlosen Workout für die Armmuskulatur gab es dazu. Sprichwörtlicher Höhepunkt war die steile Moor Road von Fairlie nach Dalry. Stundenlang hätte ich hier auf dem Trittbrett sitzen können und den Ausblick auf Heidelandschaft und Inseln genießen. Gordon betont gerne, dass er in der schönsten Ecke der Welt lebt. In Momenten wie diesen gebe ich ihm Recht…

30 Jahre lang war unsere Lady Primrose in dieser Gegend daheim gewesen, im Besitz eines schottischen Clan Chiefs. Stellvertretend für dessen Anwesen besuchten wir  Dunure und Culzean Castle (sprich ‚Kill-ain‘) an der Küste des Firth of Clyde. Und egal ob in malerischen Häfen oder vor pittoresken Schlossruinen – unzählige Male von Passanten fotografiert zeigte sich die alte Lady als perfekte Botschafterin für das schottische Tourismusbüro.

Doch auch ein perfektes, langes, sonniges Wochenende in Schottland geht irgendwann zu Ende. Zeit, sich auf den Heimweg zu machen… und der sollte standesgemäß mit Hilfe von nicht nur einem Rolls-Royce, sondern deren vier erfolgen. Nein, kein plötzlicher Reichtum … aber eine halbwegs bezahlbare Option, als Mitarbeiter in der Luftfahrtbranche den Siddeley per Luftfracht nach Luxembourg zu befördern. Standby versteht sich, mit Zittern bis zum Schluss, ob auch Platz verfügbar ist…

In den frühen Morgenstunden erfolgte schließlich die Verladung. Eine Reminiszenz an die Air Ferries der Silver City Airways über den Ärmelkanal… 1948 war dort ebenfalls ein Armstrong Siddeley das erste Auto, dass per Bristol Freighter von Lympne nach Le Touquet flog. Nur dass hier und heute das Flugzeug deutlich größer war. Trotz des sehr langen Tages – 22 Stunden ohne Schlaf – hielt mich der einzigartige Cocktail aus Adrenalin, Endorphinen und Kerosin bis kurz nach dem Start wach…

Zur blauen Stunde, kurz nach 6 Uhr früh, landeten wir im kleinen Großherzogtum. Und noch am selben Tag konnten wir die primelgelbe Lady erstmalig auf kontinentale Straßen steuern… nach einer Tour durch Wales, England, Nordirland und Schottland. Nun steht sie geduldig in der Garage und wartet auf einen kompletten Service, den Anbau von Blinkern und schließlich den TÜV-Segen. Dann geht es wieder auf Tour, diesmal Eifel statt Islands… wir freuen uns schon!

Wie immer folgt die Bildergalerie als Abschluss. Zum Vergrößern einfach auf die Vorschaubilder klicken.

Mit bestem Dank an die CV-Teams in Prestwick und Luxembourg, die die einzigartige Rückreise („Sphinx by Air“) einschließlich Fotogenehmigungen und -Gelegenheiten erst ermöglicht haben!

2 Gedanken zu „Zu Lande, zu Wasser und in der Luft…

  1. Tom (Admin) Beitragsautor

    Danke Anne!
    Aber nicht neidisch sein – selbst hinfahren! Mit dem Porsche ist es doch auch auf Flughöhe Null „wie wenn’se fliechst“?

    Antworten

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