Classic Days Schloss Dyck 2013

38° Celsius und sengende Sonne. An diesem Freitag war unser Reiseziel Grevenbroich der heißeste Ort in Nordrhein-Westfalen. Genau das richtige Wetter für eine Fahrt von rund 200km in unserem schwarzen, unklimatisierten und 57 Jahre alten Armstrong Siddeley Sapphire. Bis zu 500m Höhenunterschied in der Eifel forderten ihren Tribut in Form von ausgedehnten Erfrischungs- und Abkühlpausen. Aber die Classic Days im lauschigen Park von Schloß Dyck lockten und sollten alle Mühen für Mensch und Maschine vergessen lassen…

Zur Besänftigung meiner Oldtimer-Paranoia hatte ich zuvor mit dem Neusser Hotel abgestimmt, für unser doch recht auffälliges Auto einen gesicherten Stellplatz zu bekommen. „Kein Problem, bei uns ist immer was direkt vor der Türe frei“ hieß es sonnig am Telefon…als wir schließlich auf den Hof rollten, stapelten sich dort bereits die Rolls Royces und Bentleys einer niederländischen Gruppe. Also hinter dem Haus parken, immerhin im Blickfeld unseres Zimmers und inmitten der beflügelten Preziosen auch nicht mehr gar so auffällig. Eine unruhige Nacht bei offenem Fenster (das Hotel hatte ebenfalls keine Klimaanlage) fand ihren Abschluss in einem sturzbachartigen Regenguss am frühen Morgen.

Die Temperaturen hatten sich inzwischen freundlicherweise unter die 30°-Marke bewegt. Doch leider hatte das Gewitter neben der willkommenen Abkühlung auch zu einer harmonischen Melange aus heruntergeregnetem Saharastaub und Eifel-Straßenstaub geführt. Diese verzierte nun den Sapphire mit einem eindrucksvollen Gepardenmuster – und natürlich hatten wir keinerlei Zubehör für eine Autowäsche dabei… Fast schon verschämt reihten wir uns auf der Schwarznusswiese zwischen die glänzenden Schmuckstücke ein. Was für ein Anblick…. gegenüber ein wunderschön restaurierter Citroen von 1925, daneben ein Rolls Royce Phantom von 1927. Hinter uns ein 61er Opel Olympia Rekord, dazwischen verstreut diverse Picknickdecken und -tischchen, die einen Logenplatz für die Aussicht auf die voreirollenden Klassiker boten.

Nun kann man natürlich nicht den ganzen Tag auf der Wiese sitzen und picknicken – Bauchspeck und Sitzfleich lassen grüßen. Ausserdem gibt es ja doch noch mehr zu sehen, als das eigene Auto und das vorzügliche Catering. So zum Beispiel die zahlreich vorhandenen Bugattis im Schloßhof, die abends, als die meisten Tagesbesucher sich schon auf den Heimweg gemacht hatten, dankbare Fotomotive waren.

Die Schloßhöfe beherbergen freilich noch etliche weitere Klassiker, wie diesen BMW und Lancia. Tagsüber waren aufgrund des harten Lichts und der zahlreichen Besucher fast nur Detailaufnahmen möglich. Für Freunde der Abendsonne war daher nun die perfekte Zeit gekommen, um ohne Hast über das Gelände zu spazieren, Fotos zu machen oder einfach nur die Stimmung aufzusaugen.

Auf der Orangerie-Insel sonnten sich die am FIVA-Concours „Jewels in the parc“ teilnehmenden Oldtimer in einem Blumenmeer, wie dieser Alfa von 1949. Die – wie man neudeutsch sagt – „Location“ im Park mit dem Wasserschloß im Hintergrund sucht wirklich ihresgleichen. Da die meisten der Fahrzeuge  nicht abgedeckt waren, setzte erst die einsetzende Mixtur aus Müdigkeit und Hunger dem Bummel ein Ende.

Auch am Sonntag gab es viel zu sehen. Erfreulicherweise nicht nur hochglanzpolierte, Q-Tip-gepflegte Wagen sondern auch solche, denen man die Spuren der Jahre deutlich ansah, wie diesem Alfa Romeo RLS von 1923. Schön auch, dass die Autos ständig in Bewegung waren und eindrucksvoll knatternd, ratternd, röhrend oder auch eher hustend an den Besuchern vorbeibrausten (oder -schlichen). Tolle Fahrzeuge (fast) zum Anfassen, aber auf jeden Fall zum Bestaunen, hören und riechen.

Erstmalig waren wir dieses Jahr das ganze Wochenende vor Ort und nicht nur einen Tag. Und wieder hat es nicht ausgereicht, um auch nur annähernd alles zu sehen! Als persönliches Fazit haben uns die Classic Days wieder rundum gut gefallen. Es ist keine Rennveranstaltung wie der Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring, sondern eher eine entspannte Gartenparty mit tollen Autos in wunderschöner Umgebung. Wir hatten auch die Gelegenheit genutzt, uns das ganze Wochenende passend zum 1956er Sapphire in zeitgenössischer Originalkleidung zu bewegen – wohlgemerkt ge- und nicht verkleidet. Verkleidung wäre eher eine Kombination aus Trekkingsandalen, Cargo-Bermudas und sch;abberigen T-Shirts gewesen 😉

Natürlich gab es auch ein paar echte Snobs unter den Teilnehmern, teils schon belustigend in ihrer Exaltiertheit. Die allermeisten, mit denen wir ins Gespräch gekommen waren, erwiesen sich allerdings als sehr umgänglich und offen – und zwar entgegen aller Vorurteile unabhängig von Alter, Zustand, Seltenheit oder Wert ihres Oldtimers. Fast schon englische Verhältnisse! Abgerundet wurde das Ganze durch die sehr herzliche Betreuung durch das Classic Days-Team, darunter die Eltern des Initiators Marcus Herfort. Den Organisatoren an dieser Stelle nochmals einen herzlichen Dank, wir haben das ebenso entspannte wie interessante Wochenende sehr genossen. Nächstes Jahr sind wir gerne wieder dabei!

Wie immer folgt die Bildergalerie als Abschluss. Zum Vergrößern einfach auf die Vorschaubilder klicken.