St Elmo Hotel, Salcombe…

Eine Reise in die Vergangenheit unseres Riley.  Im Juli 1947 zugelassen, hatte unsere „Lady GoDiVa“ die ersten zwölf Jahre ihres Autolebens in Salcombe/Devon verbracht. Tief im Südwesten Englands gelegen ist die Gegend heute unter anderem durch diverse kitschig-wildromantische Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen bekannt und zieht nach wie vor zahlreiche Touristen an. Dies war auch schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit so, als der neue Besitzer des St. Elmo Hotels, Dr. Crabtree, einen schnellen und komfortablen Riley oderte…

Hoek van Holland war an einem Abend im September schnell erreicht und ehe wir uns versahen, schaukelte die „Stena Britannica“ uns in den Schlaf. Von Harwich aus ging es weiter über den – inzwischen nicht mehr so – gefürchteten Londoner Autobahnring M25 Richtung Portsmouth. Dort gleich ins sehr sehenswerte Schiffahrtsmuseum, in dem neben Nelsons HMS „Victory“ und den Überresten der „Mary Rose“ (von 1545 bis 1982 im Schlick verborgen) auch die HMS „Warrior“ zu besichtigen war.

Am nächsten Morgen empfing uns der New Forest mit strömendem Regen. Nicht sehr einladend für ausgiebige Besichtigungstouren. Der Riley fand die Situation offenbar zum Heulen. Jedenfalls gab die Lichtmaschine entsprechende Geräusche von sich; die letzte Schmierung ihrer Lager  lag wohl schon einige Jahre zurück. Praktischerweise gesellte sich im Regen auch noch eine gewisse Sprunghaftigkeit in Form von unregelmäßigen Zündaussetzern hinzu. Bedächtig hüpfend erreichten wir die Werkstatt unseres Rileyfreunds Glenn in Bridport, wo wir die Lichtmaschine mit Fett und uns mit einem guten Pub Lunch versorgen konnten. Nach Einstellung der Zündkontakte lief der Motor auch wieder wie die sprichwörtliche Nähmaschine und es ging weiter RIchtung Devon.

Hatte ich Nähmaschine gesagt? Kurz vor unserem Tagesziel, dem Haus von Peter, meinem ehemaligen Professor, begannen die Bocksprünge erneut. Die simple Lösung fanden wir am nächsten Morgen: Die Bodenplatte des Zündverteilers hatte sich gelockert, so dass sich der Kontaktabstand ständig verstellte. Mit zwei Streifen Isolierband um die Schrauben provisorisch repariert schnurrte der Motor wieder wie ein Kätzchen. Peter, seines Zeichens genau wie ich ein Nichttechniker trotz „School of Engineering“, staunte ob meiner technischen Fähigkeiten (nicht lachen bitte!). Ich versuchte ein souveränes Lächeln, um zu überspielen, dass ich mindestens genauso erstaunt war…

Das Auto lief wieder und der Regen war vorbei – endlich richtiger Urlaub! Nur wenige Meilen von Peters Haus entfernt wartete das nächste Quartier auf uns, ein gemütliches B&B in Torcross, mit unverbaubarem Blick aufs Meer. Der lange Kieselstrand nach Slapton war jedoch nicht immer so friedlich. 1943 wurden die Bewohner von Slapton zwangsweise umgesiedelt und die Landung der Alliierten in der Normandie geübt. Ein aus dem Meer geborgener Sherman-Panzer erinnert heute daran.

In Salcombe angekommen begaben wir uns auf Spurensuche. Das ehemalige St. Elmo-Hotel, Ziel unserer Reise, war in den 90er Jahren abgerissen und durch einen modernen Apartmentbau ersetzt worden. Dennoch konnten wir mit vielen Zeitzeugen sprechen, die sowohl Hotel als auch den in den 60ern nach Spanien ausgewanderten Dr. Crabtree kannten. Einer schickte uns zum anderen, so dass wir eine Reihe interessanter Menschen kennenlernten. Darunter auch Malcolm, gelernter Bootsbauer und nun professioneller Schiffsmodellbauer mit beeindruckender Werkstatt mitten im Hafen.

Der Riley war seinerzeit wohl eine Attraktion in Salcombe. Crabtrees Witwe schrieb vor fast 30 Jahren in einem Brief an den Vorbesitzer, dass Leute manchmal einfach vorbeikamen, um das Auto zu sehen. Ein Schüler sei damals sogar die 35km von Dartington Hall getrampt, nur um den neuen Riley RMA zu bestaunen… Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich ursprünglich mal Geschichte studieren wollte? Spurensuche macht Spaß…

Auch wenn es nicht dasselbe Gebäude war, ein Erinnerungsbild an der Stelle des ehemaligen St. Elmo-Hotels musste vor dem Rückweg natürlich noch sein. In dieser Lage mit traumhafter Aussicht auf die North Sands-Bucht und die Mündung des Kingsbridge Rivers hatte unser Riley also die ersten 12 Jahre verbracht. Dank Golfstrom in fast schon mediterranem Klima, Palmen eingeschlossen.

Über Bridport in Dorset ging die Reise zurück Richtung Osten. Diesmal ein entspannteres Treffen mit Glenn, ohne Reparaturarbeiten am Riley. Die nächsten Tage verbrachten wir wie schon in den Jahren zuvor in Chichester beim Goodwood Revival. Und allzu bald wartete bereits die „Stena Hollandica“ in Harwich auf uns, um uns über Nacht zurück nach Hoek van Holland in den Regen zu bringen. Die Rückfahrt auf niederländischen und belgischen Autobahnen war dann reine Routine. Irgendwie ist der Teil der Reise auf der Insel immer schöner…nächstes Jahr wieder!

Wie immer folgt die Bildergalerie als Abschluss. Zum Vergrößern einfach auf die Vorschaubilder klicken.

2 Gedanken zu „St Elmo Hotel, Salcombe…

  1. Tom

    Echt schöner Reisebereicht. Am meisten gefällt mir die Spurensuche. So einen Oldtimer wie die Lady GoDiVa zu haben ist eben vielmehr als nur fahren!

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  2. Pingback: Goodwood Revival 2012 | Vintage Motoring

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