Mit dem Riley nach Schottland 2012…

Wieder einmal riefen die Scottish Riley Enthusiasts.  Zum 24. Mal veranstalteten sie ihr ‚National Weekend‘, diesmal auf der Isle of Mull. Enthusiasten sind sie im wahrsten Sinne des Wortes: angereist wird auf eigener Achse, unabhängig vom Alter von Auto oder Fahrer und die Begeisterung und Gastfreundschaft  sucht ihresgleichen. Nach unserer ersten Schottlandtour mit dem Riley 2008 sollte es Ende Mai 2012 also wieder auf große Fahrt gehen. Knapp 2 Wochen und gut 3,000km lagen vor uns…

Das Anstrengendste an einer Reise mit dem Oldtimer nach Großbritannien sind stets die ersten paar hundert Kilometer zum Fährhafen auf dem Kontinent. Jeder sorgfältig geplante LKW-Überholvorgang wird bei Tempo 90 zur Mutprobe, die LED-gespickten Raketen – von simplen Sportflitzern bis zu Vertreterkombis – fest im Rückspiegelblick. Dafür hatten wir uns die 15-stündige Überfahrt auf der „Kíng Seaways“ von Amsterdam nach Newcastle als erholsamen Ausgleich redlich verdient.

Nach einer erfreulich sturmfreien Überfahrt machten wir uns ohne wacklige Knie direkt nach der morgendlichen Ankunft von Newcastle auf den Weg nach Norden. Vorbei an Edinburgh und Stirling ging es in die Highlands, bis wir nach knapp 400 Kilometern den Fährhafen von Oban erreichten, wo sich schon ein paar Rileys versammelt hatten. Bei strahlendem Sonnenschein und 30° Celsius (nein, kein Schreibfehler…) brachte uns die Caledonian MacBrayne-Fähre „Isle of Mull“ auf ebendiese Insel und bald schon konnten wir ein erstes Pub Meal im Garten des Craignure Inn, unserer Bleibe für die kommenden Tage, genießen.

Zusammen mit den Scottish Riley Enthusiasts machten wir in den kommenden Tagen die Insel unsicher. Nach 800 Kilometern Anreise zunächst jedoch etwas ruhiger, mit einer Besichtigung der (fast) autofreien Nachbarinsel Iona und der Felseninsel Staffa. Kristallklares Wasser, strahlende Sonne und immer noch über 30° ließen fast karibisches Urlaubsgefühl aufkommen. Und erste Zweifel, ob unser eher auf Regen und Kälte ausgerichtetes Reisegepäck wirklich so passend ist…

Nach ausgedehnten Touren über die herrlichen kleinen Sträßchen der Insel und stetigen Begegnungen mit anderen Rileys versammelten sich Fahrzeuge und Fahrer auf Einladung des Clan Chiefs Sir Lachlan Maclean im Hof und Garten von Duart Castle zum (im wahrsten Sinne des Wortes) krönenden Abschluß. Die Scottish Riley Enthusiasts hatten wieder einmal ein phantastisches, endorphinförderndes Wochenende organisiert. Thanks again, guys!

Wir blieben noch ein paar Tage in der malerischen Inselhauptstadt Tobermory, die neben einer Whisky-Destillerie auch eine berühmte Katze zu bieten hat. Und natürlich standen weitere Touren über die kleinen B-Roads auf dem Programm. Abermals ein Wechselspiel von kurvigen, einspurigen Straßen, karibisch anmutenden Buchten, plötzlichen Nebelbänken und… Schafen, Unmengen von Schafen.

An manchen Stellen leider auch gefühlte Millionen lästiger Mücken, so genannten ‚black flies‘. Unnötig zu erwähnen, dass ich ausgerechnet in genau solch einem Mückenschwarm einen Reifen wechseln musste. Trotz immer noch 30° vermummt wie ein Maidemonstrant und wild um mich schlagend, erzielte ich gefühlt eine Formel-1-würdige Zeit für den unfreiwilligen Boxenstop. Als Belohnung gab es einmal mehr alles, was das Meer hergab auf dem Tisch.

Mit der kleinen CalMac-Fähre „Loch Linnhe“ ging es von Tobermory wieder zurück nach Kilchoan auf der Ardnamurchan-Halbinsel und zum dortigen Leuchtturm von 1849. ‚Habt Ihr ihn selbst restauriert?‘ schallte uns schon entgegen, als wir keuchend die letzten der 152 Stufen zum Leuchtfeuer  erklommen. Der Leuchtturmwärter hatte mit seinem Fernglas in der Tat alles im Blick, einschließlich der Autos auf dem Parkplatz.

Die weisen Worte des Leuchtturmwärters im Ohr – ‚They don’t make them like this any more‘ – ging es weiter nach Mallaig und auf die nächste CalMac-Fähre, die „Coruisk“, die uns in etwa einer halben Stunde nach Armadale auf die Isle of Skye brachte. Nach 180 Kilometern und einem langen Tag erreichten wir unser nächstes B&B, idyllisch oberhalb des Hafens der Inselhauptstadt Portree gelegen. Zum Service gehörte auch, dass unser Gastgeber Tex neben selbst geräuchertem Fisch noch eine gute Adresse für die Reparatur des platten Reserverads greifbar hatte.

Mit dem wohligen Gefühl 5 intakter Reifen ging es abermals auf Tour über die Insel. Einmal mehr erwies sich unser treuer Riley als perfektes Gefährt für die schottischen Straßen. Man könnte ewig fahren, nur unterbrochen durch Foto- und Futterstops. Und Gelegenheit für Fotos gibt es reichlich: Von der Küste der Trotternish-Halbinsel, über die Quiraing-Höhen bis zu den düsteren Gipfeln der fast 1000 Meter hohen Cuillin-Berge.

Freundlicherweise hatte uns Gordon von den Scottish Riley Enthusiasts schon zuvor mit einigen Geheimtips für gepflegtes ‚magnificient motoring‘ in der Gegend versorgt. Darunter auch ein Abstecher von Armadale nach Taskarvaig. Winzige einspurige Sträßchen, die sich bergauf und bergab winden, bis sie den Blick auf die Cuillin-Berge freigeben. Gut für die Armmuskulatur im nicht-servounterstützen Riley und eine traumhafte Tour.

Gordons weisem Rat folgend, wählten wir für die Abreise von der Isle of Skye nicht die langweilige Brücke nach Kyle of Lochalsh, sondern die kleine Drehscheibenfähre „Glenachulish“ von Kylerhea nach Glenelg. Die Überfahrt von 550 Metern wird in 5 Minuten zurückgelegt; immerhin seit 400 Jahren gibt es diese Verbindung. In Glenelg selbst lädt das gemütliche Glenelg Inn zur Rast ein, bevor es wieder stramm bergauf über die alte Militärstraße ins Landesinnere geht.

Nicht fehlen darf natürlich ein Stop an Schottlands wohl bekanntestem Fotomotiv, dem Eilean Donan Castle am – oder besser im – Loch Duich. Die Burg diente schon in Filmen wie  „Highlander“ oder „007 – die Welt ist nicht genug“ als Schauplatz. Nun eben als perfekt beleuchteter Hintergrund für unseren Riley. Ein paar französische Touristen hielten indessen das Ganze für eine offizielle Touristenattraktion. Sie fotografierten sich begeistert mit Riley und Burg und hatten sogar die Spendenbox des Gemeindezentrums als Dank für die tolle Idee großzügig bedacht. Gern geschehen…

Von unserem Quartier in Shieldaig ging es hoch hinaus. Zunächst in den Norden nach Gairloch, wo das kristallklare Wasser ein weiteres Mal Karibikstimmung aufkommen ließ. Am zweiten Tag erklomm der Riley tapfer den ‚Bealach na Ba‘ (Pass des Viehs) in Richtung Applecross. Von Meereshöhe bis auf 626 Meter in einigen steilen Haarnadelkurven – eine Fahrt wie über einen Alpenpass, nur mit dem Meer zu Füßen. Der Riley hatte sich seine Verschnaufpause auf dem Gipfel wohl verdient.

Erst seit einigen Jahren gibt es die Küstenstraße zurück von Applecross nach Shieldaig, deren Bau im übrigen von einem schottischen Riley-Freund geleitet wurde. Vielleicht liegt es daran, dass sich ein traumhafter Ausblick an den anderen reiht. Perfekte Sicht auf die Insel Raasay und die Cuillins auf der Isle of Skye. Im warmen Abendlicht möchte man die Uhr anhalten. Und einfach nur genießen.

Das haben wir dann auch getan… für die 40 Kilometer von Applecross bis Shieldaig verstrich der ganze Nachmittag, so wie zuvor schon der Morgen für die 32 Kilometer inklusive Pass. Nur wenige Autos begegneten uns in diesen Stunden. Allein mit dem Meer, den Inseln, der Abendsonne und einem sanften Wind. Ich höre besser auf, bevor dieser Blogbeitrag gänzlich in die Kitschecke abgleitet…

Doch immer, wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. So neigte sich auch dieser Urlaub dem Ende zu. Sozusagen mit Siebenmeilenstiefeln legten wir die 270 Kilometer von Shieldaig nach Pitlochry zurück. Am folgenden Tag dann ganz entspannt die nächsten 110 nach Edinburgh. Wobei die Entspannung in Edinburgh selbst relativ schnell verflogen war… wo kamen nur all die ganzen Autos und Menschen her? Und wo wollen die alle hin? Ich will wieder auf die Insel…

Um den Kulturschock zu verdauen, gönnten wir dem Riley 2 Tage Pause, während wir die schöne Altstadt zu Fuß erkundeten. Am Abreisetag dann erwischte uns der erste starke Regen auf der ganzen Reise, der uns die verbleibenden 180 Kilometer bis zur Fähre in Newcastle begleiten sollte. Nach einer abermals ruhigen Überfahrt auf der „Princess Seaways“ erwarteten uns die Niederlande zunächst auch mit Regen, der sich jedoch im Lauf der Heimfahrt auflöste.

Nach knapp 3,000 Kilometern waren wir wieder daheim. Von der Sonne verwöhnt und voller Eindrücke einer – bis auf einen platten Reifen – pannenfreien Fahrt in unserem 65 Jahre alten Riley durch traumhafte Landschaften. Ein Extra-Dankeschön nochmals an die Scottish Riley Enthusiasts, die nicht nur ein perfektes Treffen organisiert haben, sondern uns auch mit Rat und Tat bei der Planung der Reise unterstützt haben. Happy Rileying, guys! Spätestens 2014 sind wir wieder dabei…

Wie immer folgt die Bildergalerie als Abschluss. Zum Vergrößern einfach auf die Vorschaubilder klicken.

3 Gedanken zu „Mit dem Riley nach Schottland 2012…

  1. Pingback: Schottland – Tour 2.0 | MotorBlöckchen

  2. Winfried Niehoff

    Schöner Bericht und sehr schöne Fotos. Wir haben uns entschlossen in diesem Jahr in etwa die Tour nachzufahren, allerdings mit einem TR6 (Triumph) der jünger ist. Bin inzwischen so weit, dass er von vorn bis hinten einmal durchgeschraubt ist. Waren mit ihm vor 4 Jahren in der Toscana. Dazwischen Reisen zu Deutschland Treffen der TR-freun.de . Die längste Fahrt war 2012 der Round Britain Reliability Run des Club Triumph. Schottland kenne ich nur die Ostseite (beruflich) und freue mich auf die wohl interessantere Westseite.
    Wenn Du Tipps zu Karten, Reiseführer etc. hast, wäre ich dankbar. Ebenso über einen Tipp zur Fährverbindung.

    liebe Grüße

    Winfried Niehoff, Geldern / Niederrhein

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    1. Tom (Admin) Beitragsautor

      Hallo Winfried,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wenn ich mir die Bilder selbst wieder ansehe, könnte ich mich sofort wieder in den Riley schwingen und nach Schottland fahren. Dieses Jahr wird es bei uns jedoch leider terminlich doch nichts werden, obwohl ursprünglich fest geplant…

      Betreffend unserer Tour kann ich Dir am Wochenende ein paar Unterlagen per Email senden. Ein Riley-Freund hatte ein paar A4-Seiten mit kleinen Sträßchen ‚off the beaten track‘ zusammengestellt, die wir sehr genossen haben. Der Abstecher von Armadale nach Taskarvaig gehörte dazu, ebenso der ‚Cattle Pass‘ nach Applecross und die kleine Fähre zwischen der Isle of Skye und Glenelg. Mit dem TR6 werdet Ihr da sicherlich viel Freude haben!

      Gruß,
      Tom

      P.S.: Vor ein paar Jahren waren wir – sozusagen als Mindestanzahlauffüller – einmal bei einer Tour der Triumph IG Südwest dabei. Sehr nette Truppe… wir waren auch mit dem eher behäbigen Riley willkommen!

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