Rolling home…

Und wieder landen wir in London Heathrow. Zwei Wochen nach unserem ersten Besuch bei Mike hatte der Wecker uns noch vor dem Aufstehen aus dem Bett geworfen, um uns rechtzeitig den ersten Flieger des Tages erwischen zu lassen.  Punkt Acht Uhr in der Früh setzt uns ein typisches London-Taxi vor der Haustür in der Vorortsiedlung ab, wo unser neuer alter Riley namens „Lady Godiva“ schon geduldig auf den Beginn der langen Fahrt nach Deutschland wartet…

Mike, der Verkäufer, hatte den Kofferraum schon mit sorgfältig verpackten Ersatzteilen vollgeladen. Nachdem auch die größeren Teile (Ersatzmotor, Getriebe, Vorderachse, Hinterachse,…) im LKW einer Spedition verstaut waren, gab es noch eine kurze Einweisung in die Technik. Dann hieß es Abschied nehmen – nach 22 Jahren.

Nun war ich durchaus gewöhnt, rechtsgesteuerte Autos in England zu fahren. Doch der Verkehr auf der dicht befahrenen Londoner Ringautobahn M25 stellt mit einem 60-jährigen Oldtimer eine andere Herausforderung dar als mit einem modernen PKW. Die Höflichkeit, die die Briten sonst so gern beim Schlangestehen an der Bushaltestelle an den Tag legen – wo war sie im brodelnden Berufsverkehr geblieben? Eine rasende, bremsende, drängelnde Masse von Autos trieb uns Richtung Süden. Als erfrischende Zugabe öffnete der Himmel über London dann noch sintflutartig seine Schleusen und wir stellten fest, dass die alte Dame nicht ganz dicht hält… Schon Chris Rea hatte die M25 besungen – mit dem aufmunternden Titel the road to hell„.  Mit tropfnassen Knien und dem Blick durch das kleine Scheibenwischerfeld fest auf den gischtspritzenden Verkehr gerichtet verstand ich ein bißchen, was er meinte…vielleicht wäre der Trailer doch keine so schlechte Idee gewesen?

Erfreulicherweise wich der Regen strahlendem Sonnenschein, als wir die M25 südlich von London verließen und Roger’s Werkstatt für eine ausführliche Inspektion aufsuchten. Neben einer Tasse Tee waren auch schon die neuen Scheinwerfereinsätze für Rechtsverkehr sowie die Warnblinkanlage bereit. Und ehe wir uns versahen, schwebte die Lady bereits auf dem Wagenheber und wurde ihrer Räder entledigt – fast wie bei einem Formel 1-Boxenstop, nur gemütlicher. Es blieb sogar noch etwas Zeit, anderen Riley RM’s in der Werkstatt unters Blechkleid zu schauen. Schöne Stellmacherarbeit – hoffentlich muss man da so schnell nichts reparieren!

Am Spätnachmittag stand der Riley wieder auf seinen Rädern, unter die wir nun die nächste Etappe nach Dover nehmen wollten. Doch Gemach – erst ein kleines Pub Meal später befanden wir uns wieder auf der M20 in Kent auf dem Weg zur Fähre. Die wir dann natürlich auch prompt verpassten und so die Insel erst in der Dämmerung verließen. 1 1/2 Stunden auf der „Seafrance Berlioz“ und eine kleine Irrfahrt durch Calais später sanken wir schließlich in die – an diesem Tag – bequemsten Hotelbetten der Welt. Ein sehr, sehr langer Tag war zu Ende…

Das Schlafdefizit forderte natürlich unbarmherzig seinen Tribut. Aus der geplanten morgendlichen Abfahrt wurde eine Abreise am Mittag. Und natürlich wollten wir Calais nicht verlassen, ohne nochmals im Hellen einen Blick zurück nach England zu werfen. Weiter ging es zunächst auf lauschigen Landstraßen. Die nach dem zwanzigsten Industriegebiet und hundertsten Kreisverkehr irgendwann auch nicht mehr gar so lauschig waren. Trotz guter Vorsätze wird der Pas de Calais auch weiterhin nicht mein bevorzugtes Urlaubsgebiet werden… Also wieder rauf auf die Autobahn, es regnete ja wenigstens nicht. Und der Riley passte inzwischen vom Fahrgefühl her wie ein Handschuh. „Magnificient motoring“ at its best!

An einer Raststätte wunderten sich deutsche Autofahrer noch über die schrägen Engländer (also uns) mit ihrem alten Rolls (also dem Riley). Erfrischend, wie frei Menschen sich äußern in dem Glauben, ihr Gegenüber könne sie ohnehin nicht verstehen. Little did they know... Entsprechend breit grinsend ging es weiter ins kleine Großherzogtum Luxembourg und schliesslich in die heimische Garage. Mike hatte Recht behalten: Die Lady hatte anstandlos schnurrend wie ein Kätzchen die Distanz von über 700km zurückgelegt. Trailern ist doch etwas für Warmduscher und – beim Stichwort „Dusche“ – die Londoner M25 auch nur ein großer Parkplatz!

Die Vollabnahme beim TÜV war nach ein paar Restarbeiten problemlos erledigt und schon bald gab es einen neuen Riley in der Stadt.

Obwohl… „einen“?

Als wir spät abends den Riley in seiner neuen Garage parkten, eilte ich noch schnell zu unserem Freund Jürgen, um ihm das neue Schätzchen zu zeigen. „Ach was, ein Riley RM?“. Ich war erschüttert. Woher um alles in der Welt konnte er auf einen Blick Marke und Typ eines in Deutschland weitgehend unbekannten Oldtimers aus der Ferne erkennen? Ganz einfach: er war selbst auf der Suche nach einem RM, bislang jedoch noch erfolglos. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte….und ohne zuviel verraten zu wollen lasse ich es bei diesem Vorschaubild bewenden…

Bildergalerie (zum Vergrößern auf die Vorschaubilder klicken)

 

2 Gedanken zu „Rolling home…

  1. Norbert Meßmer

    Hallo
    Freut mich etwas über einen Riley RMA zu lesen .Ich selber habe auch einen RMA Baujahr 1950 und bislang
    habe ich noch nicht viel gleichgesinnte getroffen .Ich würde mich freuen etwas von Ihnen zu hören.
    mfG N.Messmer

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  2. Tom (Admin) Beitragsautor

    Hallo Herr Messmer,
    besten Dank für die Nachricht und viele Grüße von Riley zu Riley! Es freut mich, noch weitere Freunde der Marke in Deutschland zu sehen. Ich werde mich bei Ihnen via Email melden.
    Viele Grüße,
    Tom (Admin)

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