Papierkram…

Hurra, der Kauf des Riley war perfekt… doch wie sollte die alte Lady nun von England in ihre neue Heimat gelangen?
Ein zaghaft angesprochener Transport per Trailer löste beim Vorbesitzer geradezu Empörung aus – schließlich habe der Riley ihn noch nie im Stich gelassen und auch gerade erst von der MOT-Prüfstelle volle Straßentauglichkeit bescheinigt bekommen. Trailern wie einen flügellahmen Scheunenfund? Very shocking indeed... Nun gut, warum nicht seinem Wort vertrauen  und „auf Achse“ nach Deutschland fahren? Doch so weit sind wir noch nicht…

Vor den fahrerischen Herausforderungen sind zunächst noch die bürokratischen zu bewältigen. EU hin, EU her – es gibt keinen einfachen Weg, einen PKW gleich welchen Alters in England zu kaufen und nach Hause zu fahren:

Das deutsche Kurzzeitkennzeichen ist in Großbritannien nicht gültig, zudem kann die Anbringung eines deutschen Kurzzeitkennzeichens an ein Fahrzeug im Ausland eine unzulässige Fernzulassung darstellen. Ein britisches Kurzzeit- oder Exportkennzeichen gibt es nicht.

Immerhin bestätigte mir die britische Zulassungsbehörde DVLA, dass eine Überführung mit den vorhandenen britischen Kennzeichen auch für Käufer ohne Wohnsitz in Großbritannien unter gewissen Voraussetzungen möglich sei:

  • Das Fahrzeug muss versteuert sein und die Steuervignette sichtbar tragen. Dies gilt auch bei Oldtimern vor Baujahr 1973, die von der Zahlung von Kraftfahrzeugsteuern ausgenommen sind („£ NIL“ auf der Vignette). Sofern man ein steuerpflichtiges Fahrzeug kauft, muss man dem Verkäufer vermutlich die Steuervignette nach Ankunft im Heimatland zurückschicken, damit er den Restbetrag erstatten lassen kann.
  • Der Verkäufer übergibt das komplette Zulassungsdokument V5C an den ausländischen Käufer. Dieser  trägt seine Daten in Sektion 6 des Dokuments ein („New keeper or new name/new address details“) und sowohl Verkäufer als auch Käufer unterschreiben Sektion 8 („Declaration„), um den Tag des Verkaufs zu bestätigen. Es reicht nicht aus, wie bei einem Verkauf im Inland dem Käufer lediglich die abgeschnittene Sektion 10 („New keeper supplement„) zu übergeben, denn die deutsche Zulassungsstelle benötigt neben dem Kaufvertrag das gesamte V5C-Dokument!
  • Der Verkäufer informiert die DVLA schriftlich über den Verkauf, mit Angaben zum Kennzeichen, Marke und Modell, Tag des Verkaufs und Name/Anschrift des nicht in Großbritannien wohnenden Käufers. Er sollte eine Bestätigung der DVLA innerhalb von 4 Wochen erhalten.
  • Das Fahrzeug verfügt über einen gültigen MOT-Test (entspricht der deutschen TÜV/Dekra/etc-Prüfung).
  • Der Käufer hat einen für das Fahrzeug gültigen Führerschein.
  • Der Käufer muss eine gültige Haftpflichtversicherung für die Überführungsfahrt besitzen. Hierzu bietet sich die 30 Tage lang gültige Grenzversicherung der Arisa-Versicherung an, die gegen Vorlage einer Kopie des V5C-Dokuments bei einer ADAC-Geschäftsstelle zum Preis von damals 105EUR erhältlich ist. In verschiedenen Foren hatte ich in letzter Zeit vereinzelt gelesen, dass der ADAC inzwischen das Originaldokument verlangt; in unserem Fall wurde dies allerdings nicht gefordert (und wäre auch sehr unpraktisch gewesen…).
    Die Grenzversicherung gilt grundsätzlich nur für Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen, die sich bereits in Deutschland befinden, von dort aber in die EU/EWR-Mitgliedstaaten fahren können. Der ADAC bestätigte mir aber nach Nachfrage bei Arisa, dass das Problem des Imports aus Großbritannien bekannt sei und die Police auch dafür gelte.
  • Die Überführung muss auf direktem Weg in den Staat führen, in dem das Auto anschliessend zugelassen werden soll. Eine ausgiebige Urlaubsfahrt mit britischen Kennzeichen ist also nicht möglich.

Der Papierkrieg dauerte ein paar Tage, dann waren wir bereit, die alte Dame nach Hause zu holen….

Vorsorglich noch der ausdrückliche Hinweis, dass trotz schriftlicher Anfragen bei DVLA und ADAC die oben geschilderte Prozedur lediglich unsere eigenen Erfahrungen und Einschätzungen als juristische Laien auf dem Stand von 2007 widerspiegelt. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Richtigkeit, Gültigkeit und Aktualität der Angaben!

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